LUDWIG-ERHARD-STIFTUNG E.V.

Für Freiheit und Verantwortung

Altbundeskanzler Ludwig Erhard gründete 1967 die Stiftung und gab ihr die Aufgabe, freiheitliche Grundsätze in Politik und Wirtschaft zu fördern und die Soziale Marktwirtschaft in seinem Sinne zu stärken. Ziel ist eine freiheitliche Ordnung zur Sicherung menschenwürdiger Lebensformen.

Die Ludwig-Erhard-Stiftung ist eine gemeinnützige Einrichtung. Sie ist unabhängig von Parteien und Verbänden.

So rosig sah es am Beginn des deutschen Vereinigungsprozesses nicht aus.

Doch blühende Landschaften

Kurz nach dem Mauerfall im Jahr 1989 sah Bundeskanzler Helmut Kohl für die neuen Bundesländer "blühende Landschaften" voraus. Überschwänglich und durch die rosa Brille, wie viele Kritiker meinten. Doch der enorme Kraftakt des Aufbaus Ost trägt unübersehbar Früchte.

Die Feiern zum Mauerfall sind beendet – und eine leichte Fröhlichkeit bleibt, ganz ohne Sekt: Auch wenn es schwer war – die Wiedervereinigung ist geglückt. Helmut Kohl hatte 1989 “blühende Landschaften” versprochen. Lange wurde er dafür verspottet. Und doch – die Zahlen sprechen dafür, auch wenn viele es in Deutschland nicht wahrhaben wollen. Aber der britische Economist mit seinem kühlen, distanzierten Blick von außen rechnet vor: Die heute noch bestehenden regionalen Unterschiede zwischen Ost und West sind nicht größer als die regionale Schere der wirtschaftlichen Unterschiede beispielsweise in Belgien. Noch liegen die Einkommen in München höher als in Leipzig – aber Leipzig holt auf; und in der Kombination mit niedrigeren Mieten und geringeren Lebenshaltungskosten ist vermutlich im Osten vielerorts die Lebensqualität höher als im Westen. Noch immer arbeiten die Unternehmenszentralen im Westen – aber die Gründerszene in Berlin, in Jena und Dresden lässt darauf hoffen, dass die Arbeitsplätze von morgen dort entstehen, und zwar ohne Subvention und Ansage aus dem Westen.

Ost-Universitäten belegen Spitzenplätze. Der Speckgürtel rund um Berlin boomt und zeigt die Dynamik, die eigentlich nur durch das Gewicht der großen Zahl von Problemfällen in der Metropole Berlin statistisch gebremst wird. Längst belegen in den einschlägigen Untersuchungen Ost-Städte Spitzenplätze, wenn man die wirtschaftliche Dynamik untersucht. Ganz hinten, am finsteren Ende der Rangfolgen, geben sich westdeutsche Städte die rote Laterne in die Hand. Bochum, Bottrop, Herne, Oberhausen – die alten Ruhrgebiets-Städte führen nicht mehr die Reichtumslisten, sondern die Liste der Absteiger an, während Cottbus und Chemnitz aufsteigen.

Es ist Zeit, sich einmal zurückzulehnen: In den neues Bundesländern ist ein nigelnagelneues Land entstanden. Praktisch jede Straße, jedes Bahngleis sind neu; jedes Telefonkabel, fast jede Brücke, jede Wohnung, jedes Fenster; jede Fabrik und jede Schule sind nicht wiederzuerkennen. 25 Jahre sind eine lange Zeit. Aber 25 Jahre sind nur ein kurzer Augenblick, wenn man den Umfang der Erneuerung bedenkt. Die Trabis, die stinkenden Zweitakter-Autos, werden heute liebevoll gepflegt als Andenken an eine Zeit, in der Otto Normalverbraucher 18 Jahre lang warten musste auf die Lieferung eines Neuwagens, der zum Zeitpunkt der Auslieferung schon Jahrzehnte veraltet war. “Sie wollen nur zu den Bananen” – mit diesem Satz hat der damalige Grünen-Politiker Otto Schily den Freiheitswunsch der Ostdeutschen denunziert. Aber ist es so verkehrt, statt Armut und Unfreiheit lieber Wohlstand und Freiheit einzutauschen, einen funktionierenden Rechtsstaat gegenüber einer Diktatur zu bevorzugen, und die Bananen mitzunehmen?

Sicherlich ist nicht alles Gold, was glänzt, wo gibt es das Glück ohne jeden Schatten? Aber einige Bedingungen sollte man bedenken, die für die blühenden Landschaften notwendig waren: Helmut Kohls wirklich großes Verdienst ist, die Einheit gegen die Nörgler und Bedenkenträger durchgesetzt zu haben. Oskar Lafontaine, damals Spitzenkandidat der SPD, hat vor den Kosten der Wiedervereinigung gewarnt und wollte die Freizügigkeit der DDR-Bürger nach dem Mauerfall blockieren. Diese Mauer des Westens gegen den Osten haben die Deutschen abgewählt. Die Kosten waren enorm; Schätzungen sprechen von 2.000 Milliarden Euro. Aber gefühlt war es nicht zu viel, sondern gerade richtig. Viele Menschen im Osten mussten damit fertig werden, dass ihr Leben und mehr noch ihre Lebensentwürfe tiefgreifend umgekrempelt wurden – wer gestern noch ein Held war, wurde zum Verräter. Alte Ehren wurden entwertet, fast alle Jobs gingen verloren; jeder Lebensbereich veränderte sich in rasender Geschwindigkeit. “Stillstandland Deutschland”, titelt ein Wirtschaftsmagazin zum Mauerfall – eine grotesk falsche Floskel, die weit an der Wirklichkeit vorbei geht. Oder leben die Deutschen in unterschiedlichen Wirklichkeiten?

Denn eine der wirtschaftlichen Bedingungen der Wiedervereinigung wird unter den Teppich gekehrt: Solide Währung und Marktwirtschaft heißt die Zaubermedizin. „Kommt die D-Mark, bleiben wir. Kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr“, das war eine der Parolen, die die Wiedervereinigung der Wirtschaft erzwungen hat. Es sind die beiden Säulen, auf die einst Ludwig Erhard “Wohlstand für Alle” begründet hat. Beide Voraussetzungen gelten auch heute noch für wirtschaftlichen Erfolg. Die Blechwährung der DDR, gesteuert durch die Partei und ihre Machtapparate, hat die Entwicklung des Landes gebremst. Ohne gesunde Währung ist kein erfolgreiches Wirtschaften möglich, denn das Zeitalter des Tauschhandels war und ist das Zeitalter des Elends. Aber wissen wir das noch – oder nehmen wir Manipulationen der Währung neuerdings klaglos hin? Und die staatliche Planbürokratie hat ein Übriges getan, Armut zu produzieren, obwohl alle arbeiten, und die Umwelt zu zerstören – trotz zu wenig Wachstum und zu geringem Wohlstand. Aber wissen wir das noch – oder lassen wir zu, dass immer weitere Bereiche der Wirtschaft und des Lebens den neuen Plan-Beamten ausgeliefert werden, die angeblich alles besser wissen, aber es nicht verwirklichen?

Die Mauer – sie war aber auch Existenznotwendigkeit: Markt und Freiheit wurden ausgesperrt, die Menschen eingesperrt. Jetzt gehören sie wieder zueinander.

Ludwig Erhard

Soziale Marktwirtschaft im Geiste der europäischen Freiheit

Die EU-Kommission hat die – inzwischen nachgebesserten, aber immer noch defizitären – Haushaltsentwürfe Frankreichs und Italiens für 2015 gebilligt. Das Ringen der beiden Länder um eine weniger strenge Auslegung der Haushaltsregeln widerspricht dem Gedanken des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts. Die Ludwig-Erhard-Stiftung nimmt dies zum Anlass, einen Auszug aus einer Rede Ludwig Erhards von 1974 zu veröffentlichen, in der er vor der größten Gefahr für die freiheitliche Ordnung warnt: der Instabilität ihrer Wertmaßstäbe.

Eine Zeitlang schien es so, als habe man sich in allen Parteien bereitgefunden, die Ordnung und den Stil der Sozialen Marktwirtschaft als allgemein anerkannte Voraussetzung unseres öffentlichen Lebens anzunehmen. Seit man jedoch vor einem Jahrfünft begonnen hat, mit der Inflation ein gefährliches Spiel zu treiben und auch die Kräfte zu mobilisieren, die diese Ordnung in Frage stellen wollen, weht der Wind freilich auch in anderer Richtung. Neben denen, die die in fünfundzwanzig Jahren geschaffene Wirtschaftsordnung zerstören möchten, vernimmt man die Stimmen derer, die heute davon sprechen, man müsste zwischen freiem Kapitalismus auf der einen und Staatssozialismus auf der anderen Seite nun endlich daran gehen, einen “dritten Weg” zu entwickeln, als den wir ja gerade die Soziale Marktwirtschaft seit eh und je angesehen haben.

(…) Was die Lebensordnung der Sozialen Marktwirtschaft bei ihren Anhängern benötigt, ist Kontinuität, durch die die Arbeit der Vergangenheit mit den Anstrengungen der Gegenwart und dem Blick auf die Zukunft verbunden wird. Wenn ich mich in dieser Stunde, die ein guter Anlass für eine Besinnung auf den Geist ist, in dem die Soziale Marktwirtschaft begriffen werden muss, frage, was denn das Gemeinsame der Bemühungen um diese Ordnung nicht nur von uns, sondern von einem weitgestreuten Freundeskreis ausmacht, so möchte ich sagen: Die Soziale Marktwirtschaft erscheint mir als Erkundung, ob durch eine Mobilisierung der freiheitlichen Kräfte in unserer Zeit zugleich eine gesellschaftliche und soziale Ordnung geschaffen werden kann. weiterlesen

Prof. Dr. Werner Plumpe

Wirtschaftspolitische Reformen als “Staatskunst”

Am 15. Oktober 2014 wurde Prof. Dr. Werner Plumpe, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, in Berlin mit dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet. In seiner Ansprache macht er deutlich, dass erfolgreiche Reformen stets auf dem Boden wirtschaftlicher Vernunft stattfanden. Die preußischen Reformen im frühen 19. Jahrhundert und die Reformen Ludwig Erhards sind Belege dafür.

„Nach eingetretenem Frieden hat Uns die Vorsorge für den gesunkenen Wohlstand unserer getreuen Unterthanen, dessen baldigste Wiederherstellung und möglichste Erhöhung vor Allem beschäftigt. Wir haben hierbei erwogen, daß es, bei der allgemeinen Not, die Uns zu Gebote stehenden Mittel übersteige, jedem Einzelnen Hilfe zu verschaffen, ohne den Zweck erfüllen zu können, und daß es eben sowohl den unerläßlichen Forderungen der Gerechtigkeit, als den Grundsätzen einer wohlgeordneten Staatswirthschaft gemäß sey, Alles zu entfernen, was den Einzelnen bisher hinderte, den Wohlstand zu erlangen, den er nach dem Maaß seiner Kräfte zu erreichen fähig war.“

Diese bemerkenswerten Sätze fielen 1807 – sie leiten das berühmte Oktoberedikt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. ein, mit dem dieser die Erbuntertänigkeit in seinen Landen aufhob und zugleich die Verfügung über Land endgültig „privatisierte“. Die bislang maßgeblichen Formen gebundenen Eigentums wurden weitgehend beseitigt, die auf dem Land liegenden Verpflichtungen in den kommenden Jahren durch Geldleistungen oder Bodenabgaben abgelöst. weiterlesen

Wolfgang Clement

“Wer Bewahrenswertes bewahren will, muss bereit sein, vieles zu ändern!”

Am 15. Oktober 2014 wurde Ministerpräsident a.D. und Bundesminister a.D. Wolfgang Clement in Berlin mit dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik 2014 ausgezeichnet. In seiner Ansprache nahm er unter anderem Stellung zum Mindestlohn, zur Tarifpolitik und zur Energiewende. Im Angesicht der immer noch wirkmächtigen Staatsgläubigkeit in Deutschland forderte er eine Agenda 2020.

Ich danke Ihnen, Herr Tichy, als Vorstandsvorsitzendem der Ludwig-Erhard-Stiftung, und Ihnen, Frau Göbel, sowie der Jury, der Sie angehören, für diese Auszeichnung, über die ich mich von Herzen freue.

Sie haben Recht, Herr Tichy, es waren wirklich spannende Zeiten, als hier in Berlin Reformpolitik stattfand. Und es war ja auch gut, dass die Politik sich – wenn auch nur kurzzeitig – einmal zu der Erkenntnis durchrang, dass Wirtschaft und Arbeit zusammengehören.

Ich empfinde es als Ehre, mit einem Preis ausgezeichnet zu werden, der auf Ludwig Erhard zurückgeht und der bisher zwei meiner Vorgänger im Amt des Bundeswirtschaftsministers, nämlich Karl Schiller und Otto Graf Lambsdorff, auszeichnete.

Ich beginne mit einem Geständnis, indem ich einräume, dass ich als ein von der Industriegeschichte des Ruhrgebiets geprägter Mensch erst Schritt für Schritt auf den Pfad dieses für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes so bedeutsamen Politikmodells gelangt bin – dafür aber, was nicht zuletzt im Ringen um die Agenda 2010 und die damit verbundenen Arbeitsmarktreformen deutlich wurde, umso bewusster und wohl auch umso prinzipieller. weiterlesen

alle anzeigen